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BULA STORY - 3. Schweizerisches Pfadfinder-Bundeslager, Zürich, 1938

25. Juli – 3. August 1938, etwa 7200 Teilnehmer

Auf einer Waldlichtung im Adlisberg schlagen 7000 Pfadfinder ihre Zelte auf. Am 1. August sind Bundesräte und andere hochgestellte Persönlichkeiten zu Besuch.

Bereits standen die ersten Gewitterwolken des Zweiten Weltkrieges am Himmel, als sich die Pfadfinder in Zürich zu ihrem dritten Bundeslager trafen. Die erste Schweizerische Pfadfinderausstellung, eine beeindruckende Bundesfeier, ein Defilee durch die Zürcher Bahnhofstrasse, sportliche Wettkämpfe usw. sollten bezeugen, dass sich das Schweizervolk auf seine Pfadfinder verlassen könnte. Dieses Wollen geht auch aus einem Text hervor, den der damalige Obmann der Lagerleitung, Arthur Thalmann, Winterthur (BFm 1947–1957) für eine Erinnerungsschrift verfasste:

«Wir hoffen, dass auch unsere Behörden etwas von unserem Wollen gespürt haben: die Traditionen unseres Landes aufrecht zu erhalten und uns auf die Aufgabe, Träger des schweizerischen Staatsgedankens zu werden, vorzubereiten. Für diese Aufgaben dürfen uns keine Opfer zu gross und keine Arbeit zu gering sein. Diejenigen, die heute in schwerer Zeit das Schifflein unserer Heimat zu steuern haben, dürfen keinen Augenblick darüber im Zweifel sein, dass sie auf eine junge Generation bauen können, die unbedingt und rückhaltlos das Erbe des freien Helvetiens zu wahren bereit ist.»

Als Vertreter der so angesprochenen Behörden besuchten die Bundesräte
Ph. Etter und R. Minger das Zürcher Bundeslager. Das Lagergelände befand sich auf dem Adlisberg und wurde von etwa 7000 Teilnehmern besucht. Dies erklärt auch die Budgetsumme, welche 200 000 Schweizer Franken erreichte. Man lagerte noch immer kantonalverbandsweise und fasste die Verpflegung nach einem Einheitsmenü. Es gab da einen Berner-Tag (mit Kartoffel-Rösti), einen Tessiner-Tag (mit Spaghetti al sugo) oder auch einen Genfer-Tag (mit Longeole Genevoise). Das Lagerbüchlein regelte die Eintrittspreise für das Publikum (Zulassung von 11.00 Uhr bis 20.00 Uhr, Eintritt Fr. 1.10) und das Mitbringen von Hunden (für Lagerteilnehmer verboten).

Die Firma AG der Eisen- und Stahlwerke vormals Georg Fischer in Schaffhausen stellte einen Aussichtsturm auf, und im Golfzimmer des Grand-Hotels Dolder stand ein Coiffeur zur Verfügung. Im Lager und auf den Lagerstrassen war nur der Verkehr mit Handwagen gestattet, und den Lagerteilnehmern wurde abgeraten, «von fliegenden Händlern unqualifizierbare Esswaren zu Phantasiepreisen zu kaufen».

Für die Aktivitäten hatten die Organisatoren vorgesorgt: Einerseits sportliche Wettkämpfe mit Stafettenläufen, Schwimmen, Handball, Mehrkampf und Einzelwettkämpfe – andererseits Besichtigungen und Ausflüge nach Einsiedeln (Kloster), Kemptthal (Maggi) oder Dübendorf (Flugplatz).

Eine besondere organisatorische Aufgabe bot wohl der offizielle Tag, der
1. August 1938, welcher am Morgen den Lagerbesuch der Ehrengäste – Bundesräte, Offiziere und Magistraten, Bischof, Pfarrherren und Schulmänner – brachte. Während sich die hohen Herren beim Bankett stärkten, verschob man die 7200 Lagerteilnehmer in die Innenstadt. Das Erinnerungsalbum hält fest: «Unter stechender Sonne stellen sich die Sechserreihen bereit zum Vorbeimarsch. Dann klopfen sie den blasierten Asphalt der Bahnhofstrasse, dass die Banken verwundert glotzen. Mit Recht jubelte das Zürcher Volk. Hier sieht es seine Zukunft mit der ganzen Schweiz.» Heute sind uns solche Worte und die dahinter stehende Haltung nicht mehr so leicht verständlich – aber jede Zeit hat für ihre Sorgen die ihnen entsprechenden Antworten. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass die abendliche Bundesfeier das Stadion Letzigrund zu füllen vermochte.

Unvergesslich die Ansprache von Bundesrat Etter, unvergesslich die Fahnen, die im fahlen Scheinwerferlicht die Arena verliessen.